Donnerstag, 19. Januar 2012
das Jahr 2011 war weltpolitisch, europapolitisch, finanzpolitisch und auch verbandspolitisch sehr bewegt. Bewegt wie Zeiten des Umbruchs sind. Bei allen finanzpolitischen Turbulenzen und der Eurokrise verlief aber zumindest die wirtschaftliche Entwicklung in unserem Lande erstaunlich gut, so dass nicht jeder Rückschlag bei der Bewältigung der Eurokrise uns mit voller Wucht getroffen hat. Die Staatsschuldenkrise mit ihren Kürzungen merken wir als Bürger und als Jugendverbände allerdings schon, und wir mussten im letzten Jahr Vorkehrungen treffen, um die Belastungen, die das 2012 für uns bedeuten, schultern zu können. Aber ähnlich wie in der Gesamtwirtschaft sah auch unsere wirtschaftliche Entwicklung etwa im Haus Rothfos, unserer Jugendbildungsstätte, so gut aus, dass die befürchtete Belastung für unseren Landesjugendringhaushalt ausgeblieben ist. Stattdessen haben wir Rekordübernachtungszahlen eingefahren und können die vollständige Reetdachsanierung vermelden. Ein wunderbarer Erfolg für uns. Jetzt gilt es, auch 2012 ein so gutes Wirtschaftsergebnis zu erzielen.
Im Rahmen unserer Projekte haben wir Ende April letzten Jahres das Projekt Jugendtourismus, das mit einer vollen Stelle ausgestattet war, abgeschlossen. Unser Jugendtourismuskonzept steht und die Fortsetzung der Arbeit in diesem Bereich ist auf andere Schultern in der Geschäftsstelle verlagert worden. Das Ostsee-Jugendsekretariat ist im Herbst noch einmal für ein Jahr verlängert worden. Wir hoffen, dieses gemeinsame Projekt der Ostsee-Anrainerländer auch darüber hinaus fortsetzen zu können. Bei allen Turbulenzen um den Euro wäre ein dauerhafter Jugendaustausch in einer Region mit einer gemeinsamen europäischen Geschichte doch ein schönes Gegenstück zu jeder Form aufkommenden Euroskeptizismus. Wir werden an dieser Idee weiterarbeiten und versuchen, auch auf der Basis unserer Zusammenarbeit mit unseren Partnerinnen und Partnern in Polen, im Baltikum, in Finnland und in der Region Kaliningrad die Ostsee-Zusammenarbeit weiter auszubauen.
Ein neues Projekt „Kinder und Jugendliche – Wir machen Zukunft – Nachhaltigkeit für Schleswig-Holstein haben wir 2011 mit Herrn Dr. Fahnert vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume und vier Kreisjugendringen gestartet. Damit geben wir der Diskussion über Erwartungen junger Menschen an eine Nachhaltigkeitsstrategie neue Impulse. Schon im letzten Jahr haben diese Projekte, die auch vom Jugendministerium mit unterstützt wurden, zu vielen Anregungen für eine nachhaltige Jugendarbeit z. B. im Rahmen von Kinder- und Jugendfreizeiten, aber auch in der normalen Gruppenarbeit geführt. In drei Wochen findet dieses Projekt am 04. Februar im Landeshaus mit der Durchführung des Jugendkongresses „Wir machen Zukunft“ zur Nachhaltigkeitsstrategie im Land seinen vorläufigen Höhepunkt.
- In Workshops sollen Themen wie
- nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung
- fairer Handel und zukunftsfähige Wirtschaft
- moderne Umweltpolitik
- und wie es sich in 20 Jahren auf dem Land und in den Städten arbeiten und leben lässt
intensiv diskutiert werden.
Die Arbeitsergebnisse werden wir anschließend mit den jugendpolitischen Sprecherinnen und Sprechern der Landtagsparteien erörtern, um ihnen Anstöße für eine wirkungsvolle Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie für Schleswig-Holstein zu geben.
Und wir werden sie auch einbringen in unsere zahlreichen Gespräche, die wir im Rahmen unserer Wahlaktion zur Landtagswahl am 06. Mai durchführen werden.
Diese Aktion wird der zentrale Schwerpunkt unserer Arbeit im ersten Halbjahr sein. Schon in der nächsten Woche wird das Wahl-O-Mat-Seminar mit der Landeszentrale für Politische Bildung stattfinden, auf dem die Thesen für den Wahl-O-Mat zur Landtagswahl 2012 entwickelt werden. Außerdem werden wir wieder in Kooperation mit Herrn Landtagspräsident Torsten Geerdts Erstwählerinformationen herausbringen, um möglichst viele junge Wählerinnen und Wähler zu überzeugen, am 06. Mai auch von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen. Und nicht zu vergessen, es gibt wieder Mözener Gespräche mit den Spitzenkandidaten der großen Parteien und ein Gespräch mit den kleineren Parteien. In diesen Veranstaltungen wollen wir unsere Anliegen an eine zeitgemäße Jugendpolitik zum Ausdruck bringen und einen Beitrag dazu leisten, Jugend und Politik miteinander ins Gespräch zu bringen. Damit möchten wir den Parteipolitikern und –politikerinnen auch die Chance geben, für Vertrauen in die Politik und in politische Wirksamkeit und Gestaltungsfähigkeit zu werben.
Dabei setzen wir große Hoffnung in den neuen Landtag. Egal welche Parteien am Ende gewinnen und die Regierung stellen werden, sie werden mit neuem politischen Vertrauen an die Arbeit gehen und hoffentlich die Lähmung überwinden können, die seit dem Landesverfassungsgerichtsurteil über die vorzeitige Beendigung der Legislaturperiode weite Teile der Landespolitik befallen hat.
Junge Menschen und die Jugendverbände wird die Landespolitik aber nur überzeugen und erreichen können
- wenn das Land umsichtig in die schulische und außerschulische Bildung investiert und das heißt auch, dass die Förderung der Jugendverbandsarbeit ausreicht, unsere vielfältigen Aktivitäten dauerhaft finanzieren zu können
- wenn das Ehrenamt nicht nur in Sonntagsreden Anerkennung findet, sondern als integraler Bestandteil unserer Gesellschaft, die es längst ist, gewertschätzt wird und die Arbeit nicht durch zusätzliche Beschränkungen erschwert werden, wie sie z. B. aus dem neuen Bundeskinderschutzgesetz abgeleitet werden könnten. Wir bieten dem Land an, und haben da bereits in einer Reihe von Verbänden und im Landesjugendring Vorleistungen erbracht, die Maßnahmen zur Prävention bei Kindeswohlgefährdung in der Jugendarbeit noch weiter auszubauen, damit es uns gelingt, eine nach Möglichkeit einheitliche Regelung im Land zu finden, bei der auf die Vorlage von Führungszeugnissen für Ehrenamtliche verzichtet werden kann.
- eine weitere Forderung von uns ist die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre für Landtagswahlen. (In unseren Fachdiskussionen plädieren inzwischen viele Mitgliedsverbände schon für das Wahlalter 14). Mein Wunsch ist es, dass der neue Landtag bis zur nächsten Landtagswahl 2017 den Weg für das Wahlalter 16 frei macht. Wer Kinderrechte in die Landesverfassung einbauen kann, der muss doch auch dazu in der Lage sein. Oder ist die Forderung nach Partizipation für junge Menschen, die im Übrigen keinen Deut zurückgefahren werden darf, nur ein nicht ernst gemeintes Lippenbekenntnis.
Liebe Freundinnen und Freunde, sehr geehrte Damen und Herren,
wir sehen, es bleibt noch viel zu tun, packen wir’s an.
Wir wünschen all unseren Freunden und Unterstützern und unseren Mitgliedern ein erfolgreiches Jahr 2012.