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24.05.2012, 05:15 Uhr

Gewalt gegen Kinder mit Behinderung

Mittwoch, 01. September 2004

Gewalt gegen Kinder mit Behinderung

Kiel. In Schleswig-Holstein leben 6.190 Kinder mit einem Grad der Behinderung von mindestens 50 (31.12.2003). Sie und auch die Kinder mit einem geringeren Grad der Behinderung sind einem deutlich größeren Risiko ausgesetzt, Opfer von Gewalt zu werden. "Die Arglosigkeit dieser Kinder und Jugendlichen macht sie so besonders verwundbar", stellt Irene Johns, Leiterin des Kinderschutz-Zentrums Kiel, fest.

Daher arbeitet das Kinderschutz-Zentrum Kiel weiter am Thema "Prävention und Hilfe bei Gewalt gegen Kinder mit Behinderung". Gemeinsam mit der Ministerin für Justiz, Frauen, Jugend und Familie des Landes Schleswig-Holstein Anne Lütkes und dem Beauftragten für Menschen mit Behinderung, Dr. Ulrich Hase, stellte Irene Johns heute (30.08.04) die Ergebnisse dreier aktueller Projekte der Öffentlichkeit vor.

"Mit unseren drei neuen Angeboten an Eltern und Fachleute schaffen wir die Grundlage, dass landesweit Eltern informiert werden, wie sie ihr Kind besser vor Gewalt schützen können, und dass sich Fachleute aus Jugend- und Behindertenhilfe für eine effiziente Hilfenstruktur vernetzen können", erklärt Irene Johns.

Am kommenden Wochenende (3.-5. September) lassen sich erstmals Profis aus der Jugend- und der Behindertenhilfe zu Kursleitern für den Elternkurs "Starke Eltern – starke Kinder" des Deutschen Kinderschutzbundes ausbilden. Das Kinderschutz-Zentrum Kiel hat das Konzept weiterentwickelt, damit in den Elternkursen den angesprochenen Eltern kompetent und sensibel begegnet wird. "Eltern von Kindern mit Behinderung haben sich uns gegenüber für einen Austausch im geschützten Raum ausgesprochen, denn sie müssen sich dann den anderen Eltern nicht erklären", erläutert Marianne Dahm, im Kinderschutz-Zentrum für den Schwerpunkt Behinderung und Gewalt verantwortlich, die Notwendigkeit, Eltern von Kindern mit Behinderung eigene Kurse "Starke Eltern – starke Kinder" zu ermöglichen.

Die Teilnehmer der Fortbildung kämen aus ganz Schleswig-Holstein, so Irene Johns weiter. "Es meldeten sich so viele Fachleute an, dass der Folgekurs bereits jetzt belegt ist", berichtet die Leiterin des Kinderschutz-Zentrums. "Wir sind selbst überrascht, dass der Bedarf im Land so groß ist", sieht Irene Johns das Konzept des Kinderschutz-Zentrums bestätigt.

Heute legte das Kinderschutz-Zentrum Kiel zur ersten Kursleiter-Fortbildung einen Leitfaden für Fachleute aus Behinderten- und Jugendhilfe vor. "Wir begegnen den Unsicherheiten, die Fachleute aus der Behindertenhilfe in Bezug auf mögliche oder tatsächliche Gewalt an Kindern und Jugendlichen haben. Das gilt ebenso für Fachleute aus der Kinder- und Jugendhilfe in Bezug auf eine drohende oder vorhandene Behinderung", so Irene Johns. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Behinderten- und Jugendhilfe öffnete neue Hilfewege für von Gewalt betroffene oder bedrohte Kinder und Jugendliche mit Behinderung, begründet Irene Johns das Engagement des Kinderschutz-Zentrums. "Denn wir wünschen uns eine möglichst effiziente Hilfe für das Kind."

Mit finanzieller Unterstützung aus dem Etat des Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung, Dr. Ulrich Hase, liegt nun die zweite Auflage des Faltblattes "Informationen für Eltern von Kindern mit Behinderung" vor. Die erste Auflage war im vergangenen Herbst kurz nach Erscheinen vergriffen. "Die Anforderungen an Eltern und Kinder sind höher!, berichtet die Leiterin des Kinderschutz-Zentrums. "An den Eltern nagt aber auch die Frage, wie sie ihr Kind vor Gewalt und auch sich selbst vor aggressiven Handlungen schützen können", so Marianne Dahm. Das Faltblatt zeigt Hilfewege auf und thematisiert Gewalt an Kindern mit Behinderung.

Der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung, Dr. Ulrich Hase, sagte: "Dank des Kinderschutz-Zentrums können wir der Gewalt gegen behinderte Kinder und Jugendliche endlich begegnen. Ein erster großer Schritt ist getan, den Betroffenen und auch den oft hilflosen Beteiligten Lösungen anzubieten. Wir wollen gemeinsam diesen Weg mutig weiter gehen!"

"Mit diesen Maßnahmen des Kinderschutz-Zentrums wird in Schleswig-Holstein ein wichtiger Schritt zum Schutz von Kindern mit Behinderungen gegen Gewalt beschritten", erklärte Anne Lütkes, Ministerin für Justiz, Frauen, Jugend und Familie. "Ich sehe den Schutz von Kindern mit Behinderung vor Gewalt als eine wichtige Aufgabe in der Zukunft, nicht nur der Jugendhilfe. Bisherige Einschätzungen weisen darauf hin, dass Mädchen und Frauen mit Behinderungen in besonderem Maße von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Orte der möglichen Gewaltanwendung sind vielfältig: in der Öffentlichkeit, in Wohneinrichtungen, in der Schule, in Werkstätten und in Freizeiteinrichtungen. Wesentlich wird in Zukunft sein, die Belange der betroffenen Menschen mit Behinderung in Fachberatungsstellen, Schutzeinrichtungen und Institutionen der Strafverfolgung verstärkt zu berücksichtigen. Mit der Fortbildung für Fachleute und Information der Eltern wird ein entscheidender Schritt gegangen. Es gilt hier aber dauerhaft und immer wieder Institutionen und Mitarbeiter/innen zu informieren und sensibilisieren."

30. August 2004

Verantwortlich für diesen Text: Gesa Gaedeke, Telefon 0431 - 88 86 125, mobil 0172 - 54 30 383
gesagaedeke@luebeck-mail.de

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